Endocannabinoid-System Körper Forschung Labor mit Pflanzenproben

Was ist das Endocannabinoid-System und wie funktioniert es im Körper?

Inhaltsverzeichnis

Das Endocannabinoid-System im Körper gehört zu den faszinierendsten Entdeckungen der modernen Biochemie, und ist dennoch vielen Menschen völlig unbekannt. Dabei trägt jeder Mensch dieses komplexe Signalnetzwerk in sich, seit er auf der Welt ist. In diesem Artikel erfährst du, wie das ECS aufgebaut ist, wie es funktioniert und warum Forschende weltweit so intensiv daran arbeiten, seine Geheimnisse zu lüften.

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Was ist das Endocannabinoid-System im Körper?

Das Endocannabinoid-System (kurz: ECS) ist ein körpereigenes Signalsystem, das Forschende erst Anfang der 1990er-Jahre entdeckt haben. Der israelische Biochemiker Raphael Mechoulam und sein Team an der Hebrew University Jerusalem identifizierten 1992 das erste körpereigene Endocannabinoid, das Anandamid. Zuvor hatten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den 1980er-Jahren bereits Cannabinoid-Rezeptoren im menschlichen Organismus nachgewiesen.

Der Begriff setzt sich aus zwei Teilen zusammen: "Endo" steht für endogen, also körpereigen. Das ECS ist damit klar von pflanzlichen Cannabinoiden zu unterscheiden, die aus der Hanfpflanze stammen. Das Endocannabinoid-System im Körper besteht aus drei Hauptkomponenten: körpereigenen Molekülen, spezialisierten Rezeptoren und Enzymen, die diese Moleküle abbauen. Es ist eines von vielen biologischen Signalsystemen im menschlichen Organismus, vergleichbar in seiner Grundstruktur mit anderen Neurotransmitter-Systemen.

1992 entdeckten Forschende an der Hebrew University Jerusalem das erste körpereigene Endocannabinoid, das Anandamid.

Das ECS ist kein Randphänomen der Biologie. Es durchzieht den gesamten menschlichen Organismus und interagiert mit zahlreichen anderen Körpersystemen. Genau das macht es für die Wissenschaft so interessant, und gleichzeitig so schwer zu erforschen.

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Welche Bestandteile hat das Endocannabinoid-System?

Das ECS besteht aus drei klar definierten Komponenten, die zusammen ein funktionierendes Signalnetzwerk bilden. Jede dieser Komponenten übernimmt eine eigene Aufgabe.


Endocannabinoide

KÖRPEREIGEN · LIPIDBASIERT

Der Körper produziert diese Moleküle selbst, bei Bedarf und vor Ort. Die bekanntesten sind Anandamid (AEA) und 2-Arachidonoylglycerol (2-AG). Sie ähneln strukturell den Cannabinoiden der Hanfpflanze, entstehen jedoch im Organismus selbst.

Bekannte Vertreter: Anandamid 2-AG

Cannabinoid-Rezeptoren

ZELLGEBUNDEN · G-PROTEIN-GEKOPPELT

Die Rezeptoren CB1 und CB2 sitzen auf Zelloberflächen im gesamten Körper. CB1-Rezeptoren befinden sich überwiegend im Zentralnervensystem, CB2-Rezeptoren hauptsächlich im Immungewebe. Sie funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip: Ein Endocannabinoid bindet an den passenden Rezeptor und löst eine Reaktion aus.

Typen: CB1 CB2

Abbauende Enzyme

REGULIEREND · ABBAUEND

Nach ihrer Nutzung bauen spezialisierte Enzyme die Endocannabinoide ab. FAAH (Fettsäureamidhydrolase) baut Anandamid ab, MAGL (Monoacylglycerollipase) ist für 2-AG zuständig. Dieser Abbau beendet das Signal und hält das System im Gleichgewicht.

Enzyme: FAAH MAGL

Das Zusammenspiel dieser drei Komponenten macht das ECS zu einem präzisen Regelkreis. Produziert, gesendet, gebunden, reagiert, abgebaut, so lässt sich der Grundablauf in wenigen Worten beschreiben.

Wie funktioniert das Endocannabinoid-System im Körper genau?

So funktioniert der retrograde Signalweg des ECS
5 Schritte – von der Produktion bis zum Abbau
01
Produktion
Eine Körperzelle produziert bei Bedarf Endocannabinoide – direkt dort, wo sie gebraucht werden, nicht auf Vorrat.
02
Retrograder Transport
Das Signal läuft entgegen der üblichen Richtung – zurück zur sendenden Nachbarzelle.
03
Bindung
Nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip bindet das Molekül an einen passenden CB1- oder CB2-Rezeptor.
04
Reaktion
Die Bindung löst eine zelluläre Reaktion aus – in Bruchteilen von Sekunden, an unzähligen Stellen gleichzeitig.
05
Abbau
Enzyme (FAAH oder MAGL) zersetzen das Endocannabinoid. Das Signal endet, das System bleibt im Gleichgewicht.
Quelle: Mackie, Pharmacological Reviews (2006) | herbaleafs.com

Das Endocannabinoid-System im Körper arbeitet nach einem Prinzip, das Forschende als retrograden Signalweg bezeichnen. Das klingt kompliziert, ist aber im Kern gut erklärbar: Während klassische Neurotransmitter Signale von der sendenden zur empfangenden Zelle schicken, laufen Endocannabinoid-Signale in die entgegengesetzte Richtung. Die empfangende Zelle sendet das Signal zurück zur sendenden Zelle.

Endocannabinoide entstehen nicht auf Vorrat. Der Körper produziert sie bedarfsgesteuert, direkt dort, wo sie gebraucht werden. Nach ihrer Nutzung bauen Enzyme sie wieder ab. Das unterscheidet sie von vielen anderen Botenstoffen im Organismus.

Der Ablauf im Einzelnen: Eine Körperzelle produziert bei Bedarf Endocannabinoide. Diese wandern zur Nachbarzelle, binden dort an einen passenden Rezeptor und lösen eine Reaktion aus. Anschließend zerlegen Enzyme das Endocannabinoid, das Signal endet. Dieser gesamte Vorgang geschieht auf molekularer Ebene, in Bruchteilen von Sekunden, an unzähligen Stellen im Körper gleichzeitig.

Wichtig zu betonen: Die Forschung zu diesem System ist noch vergleichsweise jung. Viele Mechanismen des endocannabinoiden Systems in der Biologie werden erst jetzt schrittweise verstanden. Was heute als gesichertes Wissen gilt, kann morgen durch neue Studien ergänzt oder präzisiert werden.

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Wo im Körper befinden sich Endocannabinoid-Rezeptoren?

Endocannabinoid-Rezeptoren kommen im gesamten menschlichen Organismus vor. Die Verteilung der beiden Haupttypen folgt dabei einem klaren Muster.

CB1-Rezeptoren

  • Überwiegend im Gehirn und Rückenmark
  • Im peripheren Nervensystem
  • In einigen inneren Organen
  • Einer der häufigsten Rezeptortypen im Zentralnervensystem

CB2-Rezeptoren

  • Vorwiegend in Immunzellen
  • In der Milz
  • Im Knochenmark
  • In geringerem Maß auch im Nervensystem nachgewiesen

Neben CB1 und CB2 diskutieren Forschende weitere Rezeptoren, die möglicherweise zum ECS-Netzwerk gehören. Dazu zählen GPR55 und TRPV1, die ebenfalls in der Cannabinoid-Forschung untersucht werden. Ob und wie sie zum ECS-Netzwerk gehören, ist noch nicht abschließend geklärt.

Das weite Vorkommen der Rezeptoren zeigt, wie tief verankert dieses System in der menschlichen Biologie ist. Endocannabinoide im Körper sind keine Randerscheinung eines einzelnen Organs, sondern Teil eines körperweiten Netzwerks. Laut einem Überblicksartikel in den Pharmacological Reviews (Mackie, 2006) gehören CB1-Rezeptoren zu den am häufigsten vorkommenden G-Protein-gekoppelten Rezeptoren im Gehirn überhaupt.

Was haben pflanzliche Cannabinoide mit dem Endocannabinoid-System zu tun?

Phytocannabinoide wie CBD (Cannabidiol) und THC (Tetrahydrocannabinol) sind Pflanzenstoffe der Hanfpflanze (Cannabis sativa L.). Sie ähneln in ihrer chemischen Struktur den körpereigenen Endocannabinoiden, stammen jedoch nicht aus dem Organismus, sondern aus der Pflanze. Hanf gehört zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit und enthält über 100 verschiedene Cannabinoide.

Genau wegen dieser strukturellen Ähnlichkeit untersuchen Forschende Phytocannabinoide im Kontext des Endocannabinoid-Systems im Körper. Sie wollen verstehen, wie pflanzliche Cannabinoide mit den Rezeptoren dieses Systems in Wechselwirkung treten und welche Rolle dabei die unterschiedliche chemische Struktur spielt. Die Forschung zu Cannabinoiden befindet sich noch in einem frühen Stadium, und viele Fragen sind offen.

CBD ist eines von über 100 Phytocannabinoiden der Hanfpflanze Cannabis sativa L. In Österreich werden CBD-Öle rechtlich als Aromaöle verkauft. CBD ist als Novel Food ohne EU-weite Zulassung eingestuft.

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Warum ist das Endocannabinoid-System für die Wissenschaft so interessant?

Das ECS-Körpersystem wurde erst in den 1990er-Jahren entdeckt. Im Vergleich zu anderen Körpersystemen wie dem Hormonsystem oder dem Immunsystem ist es damit ein sehr junges Forschungsfeld. Universitäten und Forschungseinrichtungen weltweit, von der Pharmakologie bis zur Biochemie, widmen sich heute intensiv seiner Erforschung.

Was die Forschung besonders herausfordert: Das Endocannabinoid-System im Menschen interagiert mit zahlreichen anderen Signalsystemen des Körpers. Es steht nicht isoliert, sondern vernetzt sich mit dem Hormonsystem, dem Immunsystem und dem Nervensystem. Diese Komplexität macht es schwer, einzelne Mechanismen klar zu isolieren und zu beschreiben.

100+ Phytocannabinoide enthält die Hanfpflanze Cannabis sativa L. Forschende untersuchen viele davon im Kontext des Endocannabinoid-Systems.

Hinzu kommt, dass das ECS bei allen Wirbeltieren vorkommt, nicht nur beim Menschen. Laut der Encyclopaedia Britannica haben Forschende cannabinoid-ähnliche Rezeptoren sogar bei einigen wirbellosen Tieren gefunden. Das deutet darauf hin, dass dieses System evolutionär sehr alt ist und eine grundlegende biologische Rolle spielt. Viele Fragen sind noch offen. Die Wissenschaft steht, gemessen an der Komplexität des Systems, erst am Anfang eines langen Weges.

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Wann wurde das Endocannabinoid-System entdeckt?

Das Endocannabinoid-System wurde Anfang der 1990er-Jahre entdeckt. Der israelische Biochemiker Raphael Mechoulam und sein Team an der Hebrew University Jerusalem identifizierten 1992 das erste körpereigene Endocannabinoid, das Anandamid. Zuvor hatten Forschende in den 1980er-Jahren bereits die Cannabinoid-Rezeptoren CB1 und CB2 im menschlichen Körper nachgewiesen.

Was bedeutet der Begriff "Endocannabinoid"?

Das Wort setzt sich aus "endo" (griechisch für "innen" bzw. "körpereigen") und "Cannabinoid" zusammen. Endocannabinoide sind also Cannabinoid-ähnliche Moleküle, die der Körper selbst produziert, im Unterschied zu Phytocannabinoiden, die aus der Hanfpflanze stammen, oder synthetischen Cannabinoiden, die im Labor hergestellt werden.

Was ist der Unterschied zwischen CB1- und CB2-Rezeptoren?

CB1-Rezeptoren befinden sich überwiegend im zentralen und peripheren Nervensystem, also vor allem im Gehirn und Rückenmark. CB2-Rezeptoren kommen hauptsächlich in Immunzellen, der Milz und dem Knochenmark vor. Beide Rezeptortypen gehören zur Gruppe der G-Protein-gekoppelten Rezeptoren und können von Endocannabinoiden sowie von Phytocannabinoiden gebunden werden.

Haben alle Wirbeltiere ein Endocannabinoid-System?

Ja, das Endocannabinoid-System ist evolutionär sehr alt. Forschende haben es nicht nur beim Menschen, sondern bei allen Wirbeltieren nachgewiesen, darunter Säugetiere, Vögel, Reptilien und Fische. Auch bei einigen wirbellosen Tieren wurden cannabinoid-ähnliche Rezeptoren gefunden. Das deutet darauf hin, dass dieses System eine grundlegende biologische Rolle in der Tierentwicklung spielt.

Was sind Phytocannabinoide und wie unterscheiden sie sich von Endocannabinoiden?

Phytocannabinoide sind Cannabinoide pflanzlichen Ursprungs, die vor allem in der Hanfpflanze (Cannabis sativa L.) vorkommen. Bekannte Beispiele sind CBD (Cannabidiol) und THC (Tetrahydrocannabinol). Endocannabinoide hingegen synthetisiert der Körper selbst. Beide Gruppen können an Cannabinoid-Rezeptoren binden, unterscheiden sich aber in ihrer chemischen Struktur, ihrer Herkunft und ihrer Wechselwirkung mit dem ECS.

 

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